Kurzgeschichten


Helden

I. und J. kamen aus geordneten Verhältnissen. Ihre Väter waren Offiziere, Helden, Vorbilder. Als Kinder waren I. und J. unheimlich stolz auf ihre Väter. Denn wenn sie weg waren, waren sie nicht einfach weg, wie andere Väter es waren, nein, sie waren stets im Dienst, die Familie, I. und J., ihre Schulkameraden und das ganze Land zu verteidigen. I. und J. beteten dann immer inständig für ihre Väter, dass es ihnen gut gehen möge und Gott sie beschützen solle. Und wenn sie heimkehrten, war die Freude groß. Wie echte Helden kamen sie in ihren Uniformen zurück ins Haus, die Mütter weinten vor Glück und die Jungs strahlten vor Stolz und hörten mit großen Augen von den Heldentaten der Väter, die sie am nächsten Tag ihren Freunden berichteten.

Doch eines Tages kamen ihre Väter nicht zurück. Wieder einmal hatte der böse, mächtige Feind die Werte und den Glauben der ganzen Nation angegriffen, und ohne zu zögern zogen die Väter mutig in den Krieg, um alles woran sie glaubten und alles was dem Vaterland und der Zukunft von I. und J. wichtig war zu verteidigen.
Ihre Mütter weinten, doch I. und J. wollten ihren Vätern beweisen, dass auch sie echte tapfere Männer waren und verkniffen sich diese Schwäche. Nun war es an ihnen, die Mütter, die Familie zu beschützen und zusammen zu halten.
Als die Nachricht vom Tod ihrer Väter eintraf, schworen sie Rache. Der Feind hatte ihre Väter getötet und er sollte das alles doppelt und dreifach zurückbekommen. Der Feind sollte auch sehen, wie es ist, auf grausame Art einen Teil der Familie zu verlieren. Die böse Macht, die ununterbrochen daran arbeitete die freie Welt durch ihre unrechte Religion und ihr unrechtes Regime zu versklaven, würde noch ihre eigene Medizin zu spüren bekommen. In I. und J. baute sich ein unendlicher Hass auf, doch gleichzeitig wurde ihr Glaube gestärkt, denn sie wussten, dass Gott ihnen bei ihrem rechten Tun beistehen würde. Also meldeten sie sich kaum volljährig geworden zur Armee.
Ihre Mütter, die ihren seligen Männern auf ewig treu geblieben waren, da sie gute und glaubensstarke Frauen waren, vergossen wieder Tränen, doch sie waren auch stolz auf ihre Söhne, dass sie sich entschieden hatten, den gerechten Kampf ihrer Väter fortzuführen.
Unterdessen reiften I. und J. zu richtigen Männern heran, sie fanden sich eine schöne Braut, heirateten sie, bauten ein Haus und zeugten einen Sohn. Doch nie verloren sie die Wahrheit aus den Augen. Sie waren gute Väter, die gerne mit ihren Kindern spielten und ihnen mühevoll die wichtigen moralischen und ethischen werte beibrachten, und die Familien lebten eine Weile glücklich.
Doch eines Tages griff der Feind wieder an. Als hätte er nichts dazugelernt bedrohte er arrogant und selbstbewusst das Leben des ganzen Landes, der ganzen Kultur- und Glaubensgemeinschaft. Wenn I. und J. Eines hassten, dann waren es Abtrünnige in den eigenen Reihen. Menschen, denen die Heimat, der Glaube, die Freiheit und die Gerechtigkeit offensichtlich egal waren. Menschen, die öffentlich Sympathien für den Feind kund taten oder aber durch ihre naiven pazifistischen Ideale das Land von einem endgültigen Triumph über das Böse abhielten. I. und J. waren nicht so feige, sie packten ihre Militärrucksäcke, wie ihre Väter es getan hatten, und zogen wie selbstverständlich in den Krieg, bereit den Feind zu konfrontieren.
An der Front standen sich I. und J. zum ersten Mal gegenüber und sahen sich in die Augen. I. erschoss J. aus Rache für seinen Vater. J.s Kamerad erschoss I. aus Rache für seinen Vater und J.
Ihre Witwen weinten eine Weile, doch sie blieben tapfer und erzogen ihre Söhne weiter im Sinne von I. und J., damit sie später ihre Väter rächen und die endgültige Gerechtigkeit erkämpfen konnten.